Uwe Nettelbeck
Dieses Jahr in Oberhausen
Filmpolitik 1963-1968

In den sechziger Jahren schien sich etwas zu ändern in Deutschland. Sogar die Kultur des Landes geriet in Bewegung. Sogar im Film passierte etwas. Der junge Journalist Uwe Nettelbeck gehörte zu denen, die diese Chance nutzten. Er verspottete die alten Mächte, ob die Freiwillige Selbstkontrolle, ob den katholischen Filmdienst. Er trieb die Bonzen der Festivals und die Mandarine der Akademien vor sich her. Er erlaubte sich, über Filme zu gähnen, die die Probleme anpacken, »von denen es dann heißen kann, es sei gut gewesen, daß einer es angepackt habe«. Er pries mit leidenschaftlichen Porträts die großen Narren des deutschen Films: Vlado Kristl, Jean-Marie Straub und Will Tremper. Wenige Jahre später war zwar alles anders, aber so hoffnungslos wie zuvor. Und Nettelbeck war längst über alle Berge. Doch seine Artikel aus den sechziger Jahren haben an Kraft und Einsicht bis heute nichts verloren. »Irgendwann im Sommer, ein Brief aus Berlin: Dort war ein Colloquium, ein Kritiker-Colloquium zu Ende gegangen, und man sann darauf, ein Colloquium zu veranstalten, man veranstaltet dort, so sieht es aus, unaufhörlich Colloquien, Literatur-Colloquien, Theater-Colloquien, Kritiker-Colloquien. ›Literarisches Colloquium‹ heißt die Institution, die die Colloquien veranstaltet.«

Als FUNDUS-Band 196 ist 2011 bereits eine Auswahl von Filmkritiken Uwe Nettelbecks erschienen: Keine Ahnung von Kunst und wenig vom Geschäft. Filmkritik 1963–1968.

 

Uwe Nettelbeck, 1940 geboren, 2007 gestorben, war einer der brillantesten und bestgehassten Journalisten der sechziger Jahre. Er brach 1969 mit dem Journalismus, produzierte bis 1975 die Gruppe Faust und gründete danach mit Petra Nettelbeck, seiner Frau, die literarische Zeitschrift Die Republik.

 

Sandra Nettelbeck, eine Tochter des Schriftstellers, ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Mit dem Spielfilm Bella Martha gelang ihr 2002 ein internationaler Erfolg. Nettelbecks letzter Film Helen hatte 2008 auf dem Sundance Film Festical Premiere. Demnächst wird Mr. Morgan’s Last Love im Kino zu sehen sein.

Uwe Nettelbeck
Dieses Jahr in Oberhausen
Filmpolitik 1963-1968

ERSCHEINT DEMNÄCHST

FUNDUS Band 214

herausgegeben von Sandra Nettelbeck

320 Seiten

gebunden mit Lesebändchen

ISBN: 978-3-86572-682-7
€ 16,00
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