Jean-Jacques Lebel ist eine zentrale, ja: emblematische Figur der internationalen Kunstszene seit den Sechzigern. 1960 organisierte er in Venedig das erste Happening der europäischen Kunstwelt, L’enterrement de la Chose, bei dem, begleitet von einer rituellen Begräbniszeremonie, eine Skulptur Tinguelys im Großen Kanalversenkt wurde. Es folgten zahlreiche weitere Happenings, die sich sämtlich gegen den offiziösen Kunstbetrieb und die koloniale und kapitalistische Gewalt wandten. In ihrer Entgrenzung von Kunst und Leben knüpften sie bewusst an die Messen des Dadaismus und das Theater der Grausamkeit an. Nicht zuletzt aber ist Lebel, auch als Freund des amerikanischen Künstlers Allan Kaprow, ein transatlantischer Vermittler: In seinen Happenings verbinden sich europäische und amerikanische Energien. Hier begegnen sich Artaud, Duchamp und die Beat Generation, Poesie und politische Aktion, Musik, Skulptur und Film. Aber was bleibt von diesen Aktionen? Aufzeichnungen, Fotografien, in wenigen Fällen auch Filmaufnahmen. Sie bergen die Erinnerung an eine rebellische Kunst, an Momente einer radikalen Widerständigkeit. Dieser reich bebilderte Band dokumentiert sämtliche Happenings von 1960 bis 1968 in ihren komplexen Choreografien. Deutlich werden dabei nicht zuletzt die politischen und erotischen Dimensionen, durch die sich Lebels Happenings auch von jenen Kaprows abheben.
Jean-Jacques Lebel, 1936 geboren, ist ein französischer Künstler, Schriftsteller, Aktivist, Kunsttheoretiker und Kurator. Eine Auswahl aus seinen zahlreichen Publikationen erschien 2009 unter dem Titel A pied, à cheval et en Spoutnik. Quelques écrits 1961–2009.
Androula Michaël, arbeitet als Kuratorin und als Kunsthistorikerin an der Université de Picardie Jules-Verne in Amiens. Zahlreiche Publikationen, vor allem zu Picasso, darunter: Picasso poète (2008).